39* "DEUTSCHLAND" 2016

die HRK Produkte und Meinungsbilder
Kalle
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Re: Promo für Deutschland / Die Presse zum neuen Album

Beitrag von Kalle » 16 Feb 2016, 20:22

Musiker Heinz-Rudolf-Kunze"Die Deutschen haben ein verkrampftes Verhältnis zu sich selbst"
Mit seinem Song "Dein ist mein ganzes Herz" gelang ihm 1985 der Durchbruch. Seitdem hat Heinz-Rudolf Kunze 25 Studioalbem veröffentlicht. Im Corso-Gespräch spricht er über seine Hassliebe zu Deutschland und warum er findet, dass Religion privatisiert werden müsste. weiterlesen http://www.deutschlandfunk.de/musiker-h ... _id=345751

Review: Heinz Rudolf Kunze – Deutschland
Der Titel lässt aufhorchen. Zum einen, weil Kunze lange Zeit als Prototyp des sozialdemokratischen Oberlehrers galt, der sich mit dem Thema Heimat eher schwertut. Zum anderen veröffentlichte er 2015 aber mit „Willkommen, liebe Mörder“ einen ziemlich misslungenen Keine-falsche-Toleranz-für-Terroristen-Song, der prompt im Pegida-Lager für unerwünschte Zustimmung sorgte. Beim neuen Album dürfte das dagegen kaum passieren, weiterlesen http://www.schwaebische.de/panorama/kul ... 94250.html
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Re: nach VÖ: das HRK & Verstärkung Album "DEUTSCHLAND"

Beitrag von Miro » 16 Feb 2016, 21:19

Meine Track-By-Track-Kommentare ohne Sterne:

Es ist in ihm drin
Ein autobiographischer Text, der von der Aussage her recht einfach ist. Die ausrufezeichenmäßige Instrumentierung rechtfertigt die Verwendung als Opener.

Zu früh für den Regen
Im Moment (ca. 12 Durchläufe) ist das zusammen mit dem Kakadu für mich der emotionale Höhepunkt des Albums; auf einem Level mit „K.“, besser als „Erwarte wenig“.

In der Alten Piccardie
Das schönste Stück des Albums, hätte auch gut in die Kunze-Hochphase mit der ersten Verstärkung gepasst.

Nur eine Fotographie
Ein Album-Track, der bei mir Bonus-Kandidat gewesen wäre.

Das Paradies ist hier
Ein Zugeständnis an die mediale Gegenwart in Deutschland.

Jeder bete für sich allein
Dieses Stück wächst, weil die Übertreibung im Text im Vortrag nichtmal in homöopathischen Dosen rauszuhören ist. Dadurch erzeugt das Stück eine Spannung wie kein anderes auf „Deutschland“.

Setz Dich her
Noch ein Album-Track, der bei mir Bonus-Kandidat gewesen wäre.

Mund-zu-Mund-Beatmung
Lt. Video mit den Begleitkommentaren hat er dieses Stück nur geschrieben, um beim nächsten Fernsehgarten-Auftritt abzuräumen. So hört es sich jetzt eben auch an.

Immer noch besser als Arbeiten
Der Track, der von der Musik her am längsten bis in mein Gedächtnis braucht.

Deutschland
Der Titel des Tracks lässt eine „amtliche“ Bestandsaufnahme erwarten, mit der sich jede Diskussion beenden ließe. Diesem Anspruch wird der Text nicht gerecht. Immerhin dokumentiert der Titel das Ansinnen von HRK, politisch (wieder) relevant zu werden.

Die Letzten unserer Art
Ein Highlight! Thematisch knüpft es an „Bestandsaufnahme“ an - HRK als Sprecher seiner Generation. Das Stück ist ein Alterswerk, das trotzdem die Zukunft im Blick hat.

Auf meine Mutter
Im Gegensatz zu den meisten hier sehe ich diesen Track nicht nur als idealen Bonus, und zwar deswegen, weil der Text unpeinlich witzig ist. Das Stück ist nicht nur als Auflockerung vor dem Hintergrund der melancholischen Grundstimmung des Albums nützlich, sondern auch ein Kandidat für eine besonders tiefe Verankerung im Hirn - wie das bei anderen witzigen Texten (zumindest bei mir) auch der Fall ist (etwa das ins Klo gefallenen Handy oder „Hamburg um vier“, auch wenn „Auf meine Mutter“ deren Klasse natürlich nicht erreicht).

Ich möchte anders sein
Nach dem ersten Track die zweite energiegeladene Auseinandersetzung mit Themen des Großwerdens, nach meinem Geschmack die bessere.

Ein fauler Trick
Dieses Stück haut mich nicht vom Hocker. Der Vergleich mit dem Zauberer löst in mir keine tiefere Erkenntnis aus. Dieser Track ist für mich ein etwas seltsames Alterswerk.

Das Jawort
Ein gesellschaftskritischer Text, der bei entsprechender musikalischer Begleitung auch im Räuberzivil-Kontext vorstellbar wäre. Da der Albumtitel „Deutschland“ ja was Politisches verspricht, hätten eigentlich alle gesellschaftskritischen Texte aufs reguläre Album gehört.

Der große Kakadu
Dieser Text gehört mit zum Besten, Größten, Ergreifendsten, was HRK je gemacht hat - für mich klar der Höhepunkt des Albums. Das hätte natürlich auf die reguläre CD draufgemusst. Vielleicht erkennen die Metro-Ketten, dass dieser Track unbedingt auf eine von deren Eigen-Compilations drauf muss, um ihn auf CD für die Menschenmassen dauerhaft zugänglich zu halten.

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Re: nach VÖ: das HRK & Verstärkung Album "DEUTSCHLAND"

Beitrag von Ghosti » 16 Feb 2016, 22:49

Miro hat geschrieben:Zu früh für den Regen
[,,,] besser als „Erwarte wenig“.
Find ich einerseits schwer vergleichbar, andererseits kommt mir "Erwarte wenig" immer unfertig vor, sowohl textlich als auch musikalisch. Der hatte Potential für 6 bis 7 Minuten, hätte auf jeden Fall deutlich größer werden können/müssen.

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Re: nach VÖ: das HRK & Verstärkung Album "DEUTSCHLAND"

Beitrag von MartinB » 16 Feb 2016, 23:02

Diesmal habe ich mir vorgenommen, das Album nicht gleich zu sezieren sondern erstmal wirken zu lassen. Es macht mir aber grossen Spaß, Eure Meinungen zu lesen und überhaupt: die thematische Vielfalt und die Menge an mir bisher nicht bekannten Facts aus der HRK-Historie macht mir diesem Thread richtig spannend. Schöner Lesestoff - Dank an alle Beteiligten.

An den ersten vier Stücken finde ich interessant, wie das Album nach einigermassen krachendem Einstieg langsam "runterfahren". Jedes folgende Stück bis zum "Paradies" nimmt Druck raus und steigert die Subtilität. Das gefällt mir sehr, albumdramaturgisch höchst intelligent gemacht.

Das Paradies und die Beatmung stören mich am Album. Ich hab die beiden Stücke in meinen "Worst-of-Kunze"-Ordner verschoben. Seitdem geniesse ich die Scheibe ungestört. Mit der "Mutter" komme ich erstaunlich gut klar, als kleiner "Witz" zur Auflockerung des im Grossen und Ganzen von mir als eher ernst empfundenen Albums. Kann ich stehen lassen ohne Häme und Gram.

Insgesamt ist mir der Sound etwas zu glattgebügelt. Der Inhalt und die musikalische Vielfalt macht das aber locker wieder wett. Ich reihe mich ein in die Riege der "Sich-etwas-mehr-Dynamik-gewünscht-hättenden". Mich beeindruckt der Brückenschlag zwischen Frühwerk (Kakadu/Die letzten unserer Art wären, entsprechend unmoderner produziert, schon auf der Reinen Nervensache kaum aufgefallen, als Bestandsaufnahme II&III, falls es damals sowas wie Bonustracks schon gegeben hätte) und angemessener Aktualität (Jeder bete und Deutschland). Heinz bedient die persönliche Retrozentrifuge absolut unpeinlich (Piccardie/Fotografie) und steht doch mit mindestens einem Bein fest in der Gegenwart. Unzählige Zitate und Verweise auf grosse Musik schmücken das Album. Der faule Trick ist perfekt als Rausschmeisser. Zu früh für den Regen -> Goethes Banjo in einer "Light-Version"... Also, bis auf die Carstens-Hampeleien ein richtig geiles Kunze-Album, auch an den schwächeren Stellen (Setz dich her) nicht wirklich übel, und gespickt mit mindesens einer Handvoll fortan unverzichtbarer Perlen.

Ich bin sehr zufrieden. Der Heinz des Jahres 2016 hat mir genug zu tun mit dem Heinz, den ich vor 35 Jahren kennenlernte, um ihn (und mich) identitätsstiftend/-bewahrend wieder zu erkennen. Diesen Gesamteindruck hatte ich schon sehrsehr lange nicht mehr im Verstärkungskontext.

Die "Einstimmigkeiten" passen natürlich gar nicht zum Album, so spartanisch und anachronistisch, wie sie rüberkommen. Ist aber auch eine ganz andere Baustelle. Hier macht es mir Spaß, wie Heinz sangestechnische Feinarbeit abliefert, besonders an Stellen, die im Original mehrstimmig eingesungen sind. Das kompensiert er sehr zuverlässig. Als Dreingabe ein feines Leckerli, und der Ausflug in die Irrenanstalt sowie das Ultimatum mal wieder - und dann so - zu hören fasst mich richtig an. Hier hätte ich mir noch ein paar aktuelle Sprechtexte gewünscht, aber das wäre auch ein bisschen unverschämt, "alles" haben zu wollen. Sooo viel Solomaterial von Heinz gibt es ja nicht (schon gar nicht in dieser Soundqualität), von daher freue ich mich darüber, daran und damit. Besten Dank - ausgezeichneter Fanservice!

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Re: nach VÖ: das HRK & Verstärkung Album "DEUTSCHLAND"

Beitrag von Miro » 17 Feb 2016, 07:44

Ghosti hat geschrieben:
Miro hat geschrieben:Zu früh für den Regen
[,,,] besser als „Erwarte wenig“.
Find ich einerseits schwer vergleichbar, andererseits kommt mir "Erwarte wenig" immer unfertig vor, sowohl textlich als auch musikalisch. Der hatte Potential für 6 bis 7 Minuten, hätte auf jeden Fall deutlich größer werden können/müssen.
Alle drei Stücke sind von Literatur inspiriert.

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Re: Promo für Deutschland / Die Presse zum neuen Album

Beitrag von Miro » 17 Feb 2016, 17:55

Der wie immer gut vorbereitete Wolfgang Heim hat die Fragen in "SWR1 Baden-Württemberg Leute" gestellt.

Zum Nachhören:



Die Frage, wann HRK das nächste Konzert im Sendegebiet abzuhalten beabsichtigt, hat er leider nicht gestellt.
Zuletzt geändert von Miro am 09 Dez 2016, 19:46, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Promo für Deutschland / Die Presse zum neuen Album

Beitrag von Miro » 17 Feb 2016, 20:36

Im Bayerischen Fernsehen gab es zwei Stücke im Studio (Paradies, Immer noch besser als arbeiten), Nostalgie-Schnipsel und ein Interview:
Zuletzt geändert von Miro am 09 Dez 2016, 19:46, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: nach VÖ: das HRK & Verstärkung Album "DEUTSCHLAND"

Beitrag von MartinB » 18 Feb 2016, 01:19

Mal ein paar lobende Worte zur Aufmachung und Ausstattung der CD, denn beides ist m.E. famos gelungen. Die Idee einer Buch-Edition wurde hervorragend und absolut überzeugend umgesetzt. Sieht nicht nur aus wie ein Buch und funktioniert wie eines, es fühlt sich sogar danach an. Ein deutlich angenehmerer haptischer Reiz als eine Plastikhülle oder Billigpappe zu begrabbeln, dazu das beträchtliche Gewicht - da hat man schon sehr konkret was in der Hand. Es ist auch zu spüren, dass darin eine Menge Kreativpower Anwendung fand. Sieht zudem schick aus, wirkt originell und intelligent. Von daher ist schon die Verpackung ein Kunstwerk für sich. Sehr schön, ein echtes Schmuckstück, tolle Arbeit, und das schönste ist, dass der Inhalt diese aufwändige Präsentation rechtfertigt. Denn das sieht nicht nur nach was interessantem aus - da ist auch richtig was drin...

Der Buchteil ist reich und auf hohem künstlerischen Niveau bebildert. Martin Huch wird immer besser. Seine Kunze-Portraits sind vom feinsten, und viele der Bilder schwingen mit der Grundstimmung des Albums ominös-konsequent mit. Angenehmes Augenfutter. Zudem zwanzig neue Kunzetexte, die allesamt lesenswert sind und (auch auf mich) den eigenartigen Effekt haben, dass mein Hirn mir beim lesen eine imaginäre Kunzestimme hinzuhalluziniert. Die Texte sind so heinztypisch, dass es ihm nach jahrzehntelanger Heinzhörerei leichtfällt, sie sich als Sprechtexte vorzustellen, wie sie klingen würden, trüge er sie vor, da kommt der Effekt wohl her. Meint jedenfalls mein Stammpsychiater und ich hoffe, er hat wie immer recht damit... Manche der Texte stellen dem Hirn ganz andere Herausforderungen, wie z.B. "Den Ball flach", der, lässt man sich darauf ein, einen schönen Schweinsgalopp im Kopf veranstaltet. Feines Stöffchen, macht großen Spass. Womöglich auch als Ersatz für die auf CD2 leider fehlenden Sprechtexte zu verstehen? Sozusagen diesmal die Texte zum selber sprechen... für den etwas anderen Karaokeabend vielleicht?

Auf jeden Fall ein witziges Format für den Heinz-Interessierten. Man ist ja Bücher mit CD-Beilage von ihm inzwischen gewohnt. Diesmal zur Abwechslung mal andersrum: CDs mit Buchbeilage. Ach ja, die CDs: üppig bepackt ist Deutschland, 68 Minuten zeugen von ehrlicher Mitteilungsfreude und musikalischer Vitalität. Nimmt man die zwei Stücke, für die man sich die Wiedereinführung der Vinylsingle und der Jukebox herbeiwünschen könnte, heraus und dafür die grandiosen Bonustracks hinein, so ist das Album von Anfang bis Ende durchhörbar und transportiert durchgehend eine facettenreiche und doch "irgendwie" homogene Atmosphäre. Illustriert und dokumentiert gekonnt den "Zeitgeist", berührt Herz und Hirn an ungewohnten Stellen - genau das sind doch die Merkmale des Heinz Rudolf Kunze, welche (was mich betrifft) die Anhängerschaft seinerzeit ausgelöst haben.
.
..und was eben deshalb fast das schönste ist: Heinz kommt so authentisch und glaubwürdig rüber, wie im Verstärkungskontext seit ...öööhm... ach wasweissichseitwanngenau nicht mehr. Seine Handschrift ist stets klar erkennbar, und es hat ihm offenbar keiner (ausser Jens) spürbare Kompromisse abnötigen können. Mag sein, dass es ihm mit dieser Scheibe gelingt, den Heinz-Nostalgiker, den Räuberzivilisten und den "modernen Menschen" friedlich unter einem akustischen Dach zu vereinen. Sogar in unserem Forum herrscht erstmals seit ...öööhm, egal... mehrheitlich, wenn nicht gar einstimmig freudige Verheinztheit über das neue "Mainstream"-Album. Hatten wir so auch noch nicht.

Die Bonus-CD ist eine passende Ergänzung, den aktuellen Zustand des Heinz Rudolf Kunze in diesen Tagen darzustellen. Ist schon ein starker Kontrast zum (mitunter auch mal zu) perfekt produzierten Verstärkungsalbum, sich so quasi "nackt" zu präsentieren. Die Songauswahl wiederlegt jeden Verdacht, ein "Unplugged-Hitfeuerwerk" etwa zu Werbezwecken ablliefern zu wollen. Es ist klar erkennbar, dass Heinz hier demonstrativ seine Wurzeln vorzeigt und ansonsten singt, was ihm am Herzen liegt. Ich habe mich zwar noch nicht angemessen intensiv damit beschäftigt, aber folgender Schluss liegt nahe: Es scheint Heinz - mit beiden Alben - momentan ein Anliegen zu sein, sich zu zeigen, wie er "wirklich ist", und nach meinem Empfinden gelingt ihm dies vortrefflich. Und das gefällt mir ausserordentlich.

Mein Fazit bisher: die Buch-Edition von Deutschland ist ein rundum gelungenes, vielschichtiges und sowohl handwerklich wie künstlerisch vollständig überzeugendes Gesamtkunstwerk. Alles passt zusammen, der Heinzgeist weht frei und kraftvoll in die Welt hinaus und hinein und hindurch, Quantität und Qualität des Dargebotenen sind stimmig, ebenso Präsentation und Inhalt. Hervorragende Arbeit von allen Beteiligten. Es ist mein aufrichtiger Wunsch, dass diesem Projekt maximale Aufmerksamkeit wiederfährt und "Deutschland" auf jeder Ebene ein voller Erfolg wird.

P.S.: gestern hatte ich bei Marktkauf die Standartausgabe von "Deutschland" in der Hand. Deswegen muss ich hier zusätzlich zur vorangegangenen Lobeshymne noch ergänzen, dass der Mehrwert der Buch-Edition von geradezu unglaublicher Grosszügigkeit der Verantwortlichen den Fans gegenüber zeugt. Hier eine Auflistung der "Geschenke":
- supergeiles Design (die "normale" CD kommt eher unspektakulär daher)
- die wirklich höchst relevanten Bonustracks
- die Bonus-CD mit noch nie veröffentlichter Intimität des Dargebotenen
- die sehr gelungene und künstlerisch wertvolle Buchbeigabe
- und drei Euro oben drauf für anderweitige Verwendung werden auch noch freigesetzt, denn die CD bei Marktkauf ohne Extras kostet 19,99 statt 16,99 beim MediaMarkt mit allem PiPa&Po
(wie das funktioniert verstehe ich nicht, aber es ist einfach geil hoch drei)

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Re: nach VÖ: das HRK & Verstärkung Album "DEUTSCHLAND"

Beitrag von ulf » 18 Feb 2016, 17:58

Ich habe die Erstanhörung abgebrochen..
ist mir zu moll...

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Re: Promo für Deutschland / Die Presse zum neuen Album

Beitrag von Kalle » 18 Feb 2016, 20:11

QUELLE http://www.ruhrnachrichten.de
CD-Rezension 200 Worte über Heinz-Rudolf Kunze und „Deutschland“

DORTMUND Der Titel des neuen Albums scheint auf den ersten Blick für Kunze typischer Weise zweideutig. Sollte sich womöglich etwas radikales, gar rechtes, hinter diesem Thema verbergen? weiterlesen http://www.ruhrnachrichten.de/leben-und ... 98,2949424
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Re: nach VÖ: das HRK & Verstärkung Album "DEUTSCHLAND"

Beitrag von Kalle » 18 Feb 2016, 21:06

MartinB: ... Also, bis auf die Carstens-Hampeleien ein richtig geiles Kunze-Album. Seine Handschrift ist stets klar erkennbar, und es hat ihm offenbar keiner (ausser Jens) spürbare Kompromisse abnötigen können.
Hi Martin. Du weißt von mir, dass ich Deine Art zu schreiben und Deine "Eigenart" zu formulieren immer bewundert habe. Nun ist Dir vor lauter Begeisterung für "DEUTSCHLAND", so glaube ich, ein wenig die Contenance und Gerechtigkeit abhanden gekommen. Zugegeben ich nehme auch gerne HEINZ in Schutz und alles "Schlechte" oder nicht 100%-ige schiebe ich auf das Umfeld, Management bzw. "Spione die aus der (Kälte-)Branche kommen. Jedenfalls finde ich es unangemessen, dem Trommler, Jens Carstens "Hampeleien" anzudichten, oder für Kompromisse zu verurteilen, die, entgegen aller Gerüchte in uninformierten und nicht dabei gewesenen Kreisen, tatsächlich nicht stattgefunden haben. Wenn Du die letzten Äusserungen u.a. in verschiedenen Interviews, wie auch in dem Video Track-By-Track-Kommentaren unseres Helden HEINZ bzgl. der Entstehung und Arbeitsweise des Albums bitte ernst nimmst, ist es eben nicht zu Einflussnahmen oder "faulen" Kompromissen gekommen. Entscheidungen bzgl. Arragement, Musik, Reihenfolge etc. sind einvernehmlich, demokratisch und ganz im Sinne von HEINZ im Team gefällt worden. Die ganze Produktion, alle Titel verantwortet auf gleicher Augenhöhe mit HEINZ der Produzent Jens Carstens. Insofern ist er einer der beiden Verantwortlichen für- Zitat "von Anfang bis Ende durchhörbar und transportiert durchgehend eine facettenreiche und doch "irgendwie" homogene Atmosphäre. Illustriert und dokumentiert gekonnt den "Zeitgeist", berührt Herz und Hirn an ungewohnten Stellen - genau das sind doch die Merkmale des Heinz Rudolf Kunze, welche (was mich betrifft) die Anhängerschaft seinerzeit ausgelöst haben." Das wollte ich nur mal loswerden... :oops:
Anmerkung: Am Sa, 08.10.16, 20:00 Uhr passend im Schlachthof kannst Du Dich dann von Jens :lol:
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Re: nach VÖ: das HRK & Verstärkung Album "DEUTSCHLAND"

Beitrag von An » 19 Feb 2016, 00:41

Dann will ich auch einmal einen ersten Eindruck von mir geben: Insgesamt, so finde ich, ist es ein Album mehr mehr Licht als Schatten.

Über letztere herrscht hier weitgehend Einigkeit: "Mund-zu-Mund-Beatmung", für das ZDF-Fernsehgarten-Publikum komponiert, so HRK, ist musikalischer und textlicher Tiefpunkt - Helene Fischer für Ärzte. Wenig gelungen finde ich auch "Auf meine Mutter" - einer dieser Songs, wo ich mich frage, was soll der? Wirklich witzig ist der Song nicht, vom Niveau dann doch weit unter dem HRK-Standard. Verzichten können hätte ich auch auf "Setz dich her", allerdings ist der Song für mich noch zu ertragen. "Das Paradies ist hier" halte ich für eine der besseren HRK-Singles der letzten Jahre (ja, auch ich brauche diese Single-Songs alle gar, aber darüber haben wir hier schon unendlich oft debattiert). Bauchschmerzen bereitet mir dann noch "Das Jawort". Die Idee eine Fortsetzung der "Romanze " zu schreiben, finde ich ganz sympathisch. Aber die auf jedem der letzten Album bis zum Erbrechen immer wieder gleiche Art über die (rechtliche) Gleichstellung anderer Lebensgemeinschaften als die Ehe herzuziehen, nervt mich - auch weil ich da einen ganz anderen Standpunkt vertrete.

Auf der anderen Seite gibt es dann doch eine Fülle von überzeugenden Songs ("Zu früh für den Regen", "In der Alten Piccardie" (auch wenn ich mir hier eine klitzekleine relativierende Bemerkung, die der glorifizierenden Kindheitsidylle gegenübergestellt worden wäre - wenn es an anderer Stelle im Album um Aufbruch aus der Enge geht, dann ist auch klar, dass die 1950er Jahre insbesondere im ländlichen Raum von besonderer Enge gepägt sind. Und selbst wenn das nicht auf dem Radar der kindlichen Wahrnehmung gelegen haben wird, wäre darauf in der Rückschau doch ein solcher Hinweis gut gewesen). Musikalisch ist hier die dramatische Verschmelzung von Text und Musik außerordentlich gut gelungen mit der auf den Refrain antwortetenden Gitarre gegen Ende. Über "Jeder bete für sich allein" wurde schon viel gesagt. Ein spannendes Gedankenkonstukt (auch wenn ich den Toleranzgedanken in Lessings "Nathan der Weise" gelungener finde) und vor allem auch hier eine tolle musikalische Umsetzung. In "Immer noch besser als arbeiten" hätte ich auf Alte-Männer-Formulierungen wie "das führt doch nic zu Strapsen und Miedern" oder "die Frauen werden weich/und zeigen dir viel mehr als nur Beine" sehr sehr gerne verzichtet, auch wenn diese Worte eher anderen in den Mund gelegt werden. Bei "Deutschland" gefällt mir die Kontrastierung von Musik und Text (für mich eine verspätete Wiedergutmachung des "Naherholungsgebietes"). Für mich große Highlights sind "Die letzten unserer Art" und "Ein fauler Trick", die ich beide auch noch besser finde als den "Kakadu". Als einer der wenigen rockigeren Songs gefällt mir auch "Ich möchte anders sein", auch wenn ich das Ende zu abrupt finde - sowohl musikalisch als auch textlich.

Noch nicht ganz sicher bin ich mir bei "Es ist ihm drin" - das ist musikalisch insofern nett, als das es eine ganz andere musikalische Klangfarbe ist als wir es sonst kennen. Vielleicht hätte das Thema textlich noch mehr hergegeben. Gleiches gilt für "Nur eine Fotographie", das etwas dahin plätschert und übrigens falsch geschrieben ist: entweder Fotografie oder Photographie - das ist eine unzulässige Mischung aus alter und neuer Rechtschreibung.

Insgesamt besticht das Album durch seine sehr große musikalische Bandbreite. Auch wenn mir hier zwei Songs deutlich zu schlageresk sind und den Gesamteindruck stören. Für mich eine Symbiose aus Verstärkung und Räuberzivil-Album (wobei ich hoffe, dass letzteres Projekt trotz geringerer Verkaufszahlen weiterhin stattfinden wird) und aus meiner Perspektive eine Fortsetzung der positiven Tendenzen der letzten Jahre. Vielleicht auch ein musikalisches Alterswerk im positivem Sinne - es muss gar nicht mehr immer laut sein. Ob ich das Album jetzt besser finde als "Stein vom Herzen" (oder "Tiefenschärfe") kann ich noch nicht abschließend sagen.

Zur Aufmachung: Auch mir gefällt die "Premium Buch Edition" - besser als die Box zu "Stein vom Herzen". Das Cover ist gewöhnungsbedürftig, aber passend und gut. Toll auch die vielen Texten. Bei den Fotos bin ich etwas kritischer. Hier gibt es einige ganz gelungene - gerade die zu Beginn abgedruckten Bilder mit der Rassel oder neben der Gitarre bzw.später mit der Schreibmaschine gefallen mir, ebenso wie einige Porträtaufnahmen (S. 15, S. 51, S. 56, S. 65). Der Indoorrasenmäher erschließt sich mir nicht - Rasenmähen als klischeehaft typisch deutsche Handlung hätte man vielleicht anders darstellen können. Die übrigen Baustellenfotoss passen dann zum Cover. Richtig misslungen finde ich jedoch die Seiten 28 bis 37: Diese Fotos mit den hinkopierten Slogens empfinde ich als wirklich sehr schlicht und einfallslos. Das Gefangensein in kommerziellen Notwendigkeiten oder die Erklärung zur Unperson hätte man auch künstlerisch anspruchsvoller umsetzen können. Und der umgedrehte Obstkorb auf S. 44? Ein Gefängnis? Eine Ritterrüstung? Eine Lampe mit HRK als Birne? Mmh. Da Witz auch immer etwas mit Originalität zu tun hat - eher auch nicht witzig.

Zur Bonus-CD: Da mir das Einstimmig-Programm gefallen hat, mag ich diese Aufnahme auch. Allerdings wünsche ich mir ganz entschieden eigenen einen Doppel-CD-Mitschnitt des Programms. Ich hoffe, dass das noch kommt, auch wenn man es sich mit der Rakete leider total verdorben hat und damit dieses sehr geeignete und bewährte Label für solche Nebenprojekte leider ausfällt. Und ob RCA-Deutschland diese HRK-Seite auch bedient oder sich lieber auf die Verstärkungsalbum konzentriert? Oder SPV? Ob mit der Bonus-CD für Liveauftritte oder das Soloprogramm geworben werden soll, erschließt sich mir nicht ganz. Oder ein CD-Kaufanreiz für alls Besucher der Einstimmig-Konzerte? Ich weiß es nicht. Also: Ein schöner Mitschnitt, aber zu kurz und vielleicht an ungeeigneter Stelle. Ein besserer Bonus fällt mir aber auch nicht ein. D.h. ein kleines feines mitgeschnittenes Clubkonzert mitv den neuen Songs vor wenigen ausgewählten Wunderkindern wäre auch toll gewesen :-) Aber vielleicht wird es soetwas wie bei der letzten CD ja trotzdem geben, um das Album nochmals in die Charts zu hieven.

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Re: nach VÖ: das HRK & Verstärkung Album "DEUTSCHLAND"

Beitrag von MartinB » 19 Feb 2016, 02:20

Sorry Kalle, aber meine Anspielungen auf Jens beziehen sich nicht auf seine Arbeit als Produzent oder gar Drummer, da hat er jeweils ganz famose Arbeit abgeliefert. Aber es ist leider so, dass er bei den beiden künztlerischen Tiefpunkten der CD als verantwortlich für die Musik (also Komposition) gekennzeichnet ist, und nur bei diesen. Es geht ja nicht nur mir so, dass diese beiden Stücke als Fremdkörper wahrgenommen werden. Da sollte es auch erlaubt sein den Zusammenhang "Carstens und die Schrottsongs" aufzuzeigen, zumindest in dieser überschaubaren und relativ geschlossenen speziellen Interessengemeinschaft. Ist ja nicht wirklich böse gemeint, und wenn es ihm als "Schlagerheini" der Verstärkung gelingt, so einen Hit aus dem Hut zu zaubern bin ich der erste, der sich ehrlich darüber freut. Ich muss mir die Stücke ja nicht anhören, wenn ich nicht will. Und wenn ich das Paradies zufällig im Radio höre (bisher zweimal geschehen) freue ich mich, dass es gesendet wird, egal ob ich es mag oder nicht. Andrerseits ist es offensichtlich, dass bei den beiden Stücken Heinzes Handschrift verwässert wurde (wie gesagt, die strategische Absicht dahinter erkenne ich und heisse sie sogar gut), und wer ausser Jens sollte solches gegenwärtig vermögen?

Wenn der Eindruck entstanden ist, dass ich den Herrn Carstens deswegen in irgendeiner Weise ablehne, dementiere ich dies hiermit ausdrücklich. Der Mann ist gut, keine Frage. Ich akzeptiere ihn vollständig, auch in seiner Funktion als "Schlagermacher", auch wenn ich "seine" beiden Songs nicht hören möchte. Guter Job - möge er gelingen! Aber für mich ist es nunmal Schrott und Gehampel, das ist die Rückmeldung der Substanz zwischen meinen Ohren auf das Gehörte, und ich finde, dass dies so noch moderat ausgedrückt ist.

Also: objektiv wünsche ich viel Glück bei der Schlagerei und erkenne an, dass Heinz für solcherlei Anliegen mit Jens genau den rchtigen Mann an Bord hat. Subjektiv finde ich die Ergebnisse scheusslich. Für beide Aspekte ist Jens der Ansprechpartner, deswegen muss er das auch aushalten. Das finde ich auch gerecht. Was die Contenance betrifft bin ich bereit mal zu überprüfen, wo ich da gerade stehe. Der Vollständigkeit halber: "von Anfang bis Ende durchhörbar usw." bezog sich suf die CD NACH der Entfernung von Paradies und Beatmung....

Jedenfalls Danke für die offene Rückmeldung.

...öööhm... was genau kann ich mich am 8.10. von Jens im Schlachthof... 8O

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Re: nach VÖ: das HRK & Verstärkung Album "DEUTSCHLAND"

Beitrag von Kalle » 19 Feb 2016, 06:48

...öööhm... was genau kann ich mich am 8.10. von Jens im Schlachthof
ausquatschen oder "schlachten" lassen :lol:
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Re: nach VÖ: das HRK & Verstärkung Album "DEUTSCHLAND"

Beitrag von Thofrock » 19 Feb 2016, 16:33

An hat geschrieben:Bauchschmerzen bereitet mir dann noch "Das Jawort". Die Idee eine Fortsetzung der "Romanze " zu schreiben, finde ich ganz sympathisch. Aber die auf jedem der letzten Album bis zum Erbrechen immer wieder gleiche Art über die (rechtliche) Gleichstellung anderer Lebensgemeinschaften als die Ehe herzuziehen, nervt mich - auch weil ich da einen ganz anderen Standpunkt vertrete.
Diese Bauchschmerzen hatte ich geahnt, ja förmlich erwartet.
Das Problem, das Du und auch ich dabei haben, besteht nur wieder mal darin, dass wir nicht wissen, wieviel Heinz wir hier bekommen, bzw. wie hoch der Anteil an Rollenspiel ist. Denn natürlich überzeichnet der Text erkennbar in beide Richtungen, zielt also auf die Fundis an den Rändern.

Ich denke, der Song soll ausloten, wo das vernünftige und logische Anliegen der Gleichstellung aufhört, und ab wo diesem Anliegen Schaden zugefügt wird, in dem man es ad absurdum treibt.

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